16 Negative Emission Culture

Der Klimawandel ist unumstößliche Realität. 17 der 18 wärmsten jemals gemessenen Jahre traten im 21. Jahrhundert auf.

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, sind klimaschonende Prozesse, die den Ausstoß von Klimagasen reduzieren, nur ein Anfang. Selbst innovative, vollständig klimaneutrale Prozesse und Produkte sind heute nicht mehr ausreichend, um die globale Erwärmung wirkungsvoll zu bremsen. Mit steigendem gesellschaftlichem Bewusstsein über die Auswirkungen des Klimawandels, werden klimaneutrale Produkte und Dienstleistungen von immer mehr Kundengruppen nachgefragt.

Können bestimmte Produkte oder Services nicht klimaneutral produziert oder durchgeführt werden, versuchen Unternehmen, die Klimaneutralität ihres Angebotes durch flankierende Services zur CO2-Reduktion sicherzustellen. Die Klimaneutralität des jeweiligen Unternehmensangebotes wird zu einem wichtigen zukünftigen Erfolgsfaktor.

Die aktive Reduktion, bzw. das Binden des in der Atmosphäre verfügbaren Klimagases CO2, muss zum vorrangigen Ziel von Staaten aber auch Unternehmen werden, um einen wirkungsvollen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Eine technische Lösung bietet die so genannte CO2-Sequestrierung. Dabei wird CO2 während industriellen Produktionsprozessen durch spezifische Technologien gebunden und dauerhaft in unterirdische Lagerstätten gespeichert. Ein anderer Ansatz der aktiven CO2-Reduktion sieht das in der Erdatmosphäre verfügbare CO2 als wertvolle Ressource. Diese wird über ein Air-Capture-Verfahren als Rohstoff gewonnen und beispielsweise für die Produktion von Treibstoffen eingesetzt.

All diese Entwicklungen auf unterschiedlichen Ebenen machen nicht nur das steigende Bewusstsein um den Klimawandel und dessen Folgen deutlich, sondern sind Anzeichen einer sich entwickelten Kultur des aktiven Reduzierens von Emissionen – Es beginnt die Ära der „Negative Emission Culture“.

Etsy kompensiert klimaschädlichen Versand

Etsy wird als erste E-Commerce-Plattform alle CO2-Emissionen, die durch Lieferungen entstehen, kompensieren. Sowohl Etsy-Verkäufer als auch die Kunden werden von den Kosten verschont. Das Unternehmen kooperiert dafür mit 3Degrees, um nach jedem Versand automatisch geprüfte Emissionsminderungszertifikate zu erwerben, um den entstandenen C02-Ausstoß zu kompensieren. 3Degrees verwendet die Einnahmen, um Umweltprojekte zu finanzieren. Zum Auftakt wird Etsy einen Tag lang die gesamten CO2-Emissionen, die von allen US-amerikanischen Online-Shops durch Versand verursacht wurden, kompensieren.

 8. März 2019

Burgerkette präsentiert klimapositives Menü

Die schwedische Fast-Food-Kette MAX Burgers bietet ihren Kunden das weltweit erste klimapositive Menü an. Dafür verfolgt das Unternehmen per Klimaanalyse die Treibhausgasemissionen seiner 130 Filialen und gleicht sie aus, indem es unter anderem Windkraft nutzt, Frittieröl recycelt und sein Menü auf vegane Optionen mit geringeren Auswirkungen auf die Umwelt umstellt. Die Daten werden auf der Website everysecond.io präsentiert, um den Kunden aufzuzeigen, dass sie mit jedem Besuch einer MAX-Burgers-Filiale zu einer Reduzierung der Treibhausgase beitragen.

 24. Oktober 2018

Einkaufs-App reduziert CO2-Fußabdruck

Das maltesische Start-up Ecoingot möchte Verbrauchern mit Hilfe seiner App die Möglichkeit bieten, ihr Kaufverhalten zu ändern, indem es ihnen hilft, die CO2-Bilanz sämtlicher Produkte besser einschätzen zu können. Dafür verwendet Ecoingot eine Kombination aus RFID- und Blockchain-Technologien, die unter anderem das drahtlose Smart-Retail-Label-Netzwerk einbeziehen. Über Etiketten und Verpackungen sollen somit sämtliche Produktinformationen eingesehen werden. Kunden können anschließend mit dem Produkt verbundene Treibhausgase akzeptieren oder wahlweise Token erwerben, um ihren CO2-Fußabdruck zu kompensieren.

 1. März 2019

Mitfahrdienst im grünen Modus

In Seattle erprobt Lyft die Einführung eines „Green Mode“, mit dem Nutzer der Lyft-App bewusst Elektro- und Hybridfahrzeuge auswählen können. Die Initiative soll dazu beitragen, die Emissionen der Ride-Hailing-Flotte zu reduzieren und das Interesse der Verbraucher an Nachhaltigkeit aufgreifen. Um auch den Fahrern des Unternehmens einen wirtschaftlichen Anreiz zu bieten, hat Lyft vor, Tausende Elektrofahrzeuge in sein Mietprogramm „Express Drive“ aufzunehmen. Darüber hinaus kündigte Lyft an, sich zur CO2-Reduzierung auch an weiteren Projekten rund um erneuerbare Energien zu beteiligen.

 22. Februar 2019

Mineralwasser mit CO2 aus der Luft

Valser Mineralquellen GmbH, eine Schweizer Tochtermarke von Coca-Cola, kooperiert mit dem Start-up Climeworks, das CO2 aus der Luft wiederverwertet. Möglich wird dies durch die Technologie „Direct Air Capture“, mit der Kohlendioxid aus der Luft gefiltert und dann unter anderem der Chemieindustrie zur Verfügung gestellt wird. Nun soll auch die Getränkeindustrie von der nachhaltigen CO2-Gewinnung profitieren. So wird Coca-Cola als erstes Unternehmen Kohlendioxid von Climeworks nutzen, um Mineralwasser mit Kohlensäure zu versetzen. Darüber hinaus bietet Climeworks Kunden die Neutralisierung ihrer Emissionen an.

 8. Januar 2019

Ziegelsteine aus Biozement

Das Start-up bioMason hat die Produktion von Ziegelsteinen neu erfunden und eine klimafreundliche Alternative zur Tonziegelproduktion entwickelt. Anstatt, dass die Tonziegeln im Feuer gehärtet werden und dabei CO2 ausgestoßen wird, werden sie von Bakterien zu einem harten Material aus Sand „gebaut“. Dazu wird Sand in eine spezielle Form gefüllt, dem anschließend das Bakterium Sporosarcina pasteurii und kalziumhaltiges Wasser beigemischt werden. Nun heften sich die Kalziumionen an die Zellwände der Bakterien und umgeben zunehmend die Sandkörner, sodass im Ergebnis biologischer Zement entsteht.

 10. Januar 2019

Selbstheilendes Polymer bindet Klimagas

Forscher am Massachusetts Institute of Technology haben ein selbstheilendes Polymer entwickelt, das Kohlendioxid aus der Luft aufnimmt, um zu wachsen, sich zu verstärken und sich zu heilen. Das Material verfügt über eine gelartige Struktur und ein Grundgerüst aus dem Polymer Aminopropylmethacrylamid (APMA), Glukose, dem Enzym Glukoseoxidase und Chloroplasten aus Spinatblättern. Das Material initiiert einen chemischen Vorgang, der, ähnlich wie bei Pflanzen, Kohlendioxid in Kombination mit Sonnenlicht in Biomasse umwandelt. Das Material könnte nach Vorstellung der Forscher als Schutzhülle oder als Reparaturmaterial verwendet werden.

 30. Oktober 2018

A2F-Verfahren zur Herstellung von Öl aus Luft

Das kanadische Unternehmen Carbon Engineering hat das Verfahren „Air to Fuels“ (A2F) entwickelt, bei dem das Treibhausgas Kohlendioxid aus der Luft absorbiert und in Öl umgewandelt wird. Hierbei wird ein Air-Capture-Verfahren genutzt, um das Kohlendioxid aus der Luft zu extrahieren und zu reinigen. Durch Elektrolyse wird zudem aus Wasser unter Verwendung erneuerbarer Elektrizität Wasserstoff erzeugt. Der Wasserstoff und das Kohlendioxid werden dann in einem Thermokatalyseverfahren kombiniert und zu flüssigen Kraftstoffen wie Benzin und Diesel synthetisiert. Der nahezu klimaneutrale Treibstoff bietet eine Alternative zu Biokraftstoffen.

 9. Februar 2018

Kraftwerk verschließt Kohlendioxid in Gestein

Am isländischen Geothermiekraftwerk Hellisheidi läuft seit einiger Zeit ein Pilotversuch des Schweizer Start-ups Climeworks, bei dem mit einer Filteranlage und durch „Direct Air Capture“ aus Kohlendioxid Stein gewonnen wird. Hierbei nimmt die Filteranlage Kohlendioxid aus der Umgebungsluft auf und leitet es zusammen mit Wasser etwa 700 Meter tief unter die Erde. Ist es dort angekommen, führen chemische Reaktionen mit Basalt dazu, dass das Gas als unschädliches Karbonat versteinert wird. Durch Bildung des Karbonatgesteins soll das Kohlendioxid für mindestens eine Million Jahre unter der Erde eingeschlossen bleiben.

 2. November 2017

Ein Staubsauger für Kohlendioxid

Das Schweizer Start-up Climeworks hat die weltweit erste kommerziell genutzte CO2-Filteranlage eröffnet, die aus der Umgebungsluft CO2 aufnimmt, das anschließend als Düngemittel verkauft wird. Die etwa zehn Meter hohe Filteranlage befindet sich auf dem Dach einer Müllverbrennungsanlage und besteht aus drei Frachtcontainern, die jeweils mit sechs CO2-Kollektoren ausgestattet sind. Die Ventilatoren der Anlage saugen die Umgebungsluft an, während Zellulosefilter das CO2 absorbieren. Danach wird das Filtermaterial auf 100 Grad Celsius erhitzt, wodurch das gebundene CO2 wieder freigesetzt und einem Gewächshaus in der Nähe zugeführt wird.

 26. Juni 2017

Regulärer Langstreckenflug mit Biokraftstoff

Die Fluggesellschaft Virgin Atlantic hat im Rahmen ihrer Partnerschaft mit dem Biokraftstoffhersteller LanzaTech dessen aus Industrieabfällen hergestellten Kraftstoff erstmals auf einem regulären Flug eingesetzt. LanzaTech verwandelt Abgase aus Stahlwerken in Ethanol und verhindert damit, dass sie in die Atmosphäre abgegeben werden. Der daraus hergestellte Treibstoff für Flugzeuge hat das Potenzial, Kohlenstoffemissionen gegenüber regulären fossilen Energieträgern um bis zu 70 Prozent zu reduzieren. Virgin Atlantic will sich nun die erste Produktionsstätte in Großbritannien sichern.

 20. November 2018

Probiotika für Pflanzen reduzieren CO2

Das US-amerikanische Start-up Locus Agricultural Solutions bietet die Probiotikamischung „Rhizolizer“ an, die die Landwirtschaft produktiver machen soll. Sie besteht aus dem Pilz Trichoderma harzianum und dem Bakterium Bacillus amyloliquefaciens und wird in einer lokalen Anlage hergestellt. „Rhizolizer“ trägt dazu bei, dass Gemüse und Obst besser wachsen und intensiver im Geschmack sind und der Erdboden mehr Kohlendioxid aufnimmt. Das Start-up konnte mit „Rhizolizer“ die Ernte eines 15 Hektar großen Orangenhains um 14 Prozent steigern und ermöglichte in einem anderen Fall die Aufnahme von zusätzlichen 4,38 Tonnen Kohlendioxid pro Morgen Land.

 20. Februar 2019

Autarkes CO2-Kraftwerk für zu Hause

Das Start-up Gensoric hat für Privathaushalte eine kühlschrankgroße Anlage namens Willpower Energy entwickelt, die mit Hilfe von Strom und Wasser CO2 aus der Umgebungsluft in den Kraftstoff Methanol umwandelt. Für die Umwandlung in Methanol sind Enzyme verantwortlich, die Gensoric als auswechselbares Kartuschensystem bereitstellt. Das Gerät ermöglicht darüber hinaus aber auch die Speicherung der Energie und ihre Nutzung in einem Mikro-Blockheizkraftwerk oder in einer Brennstoffzelle. Nutzer werden auf diese Weise unabhängiger von Energieversorgern, Lieferanten und Elementen wie dem Wetter.

 28. Dezember 2018

Hybridsystem wandelt CO2 in Energie um

Ein Team aus südkoreanischen UNIST Forschern und US-Forschern der Georgia Tech hat ein sogenanntes Hybrid-Na-CO2-System entwickelt, das CO2 aus der Atmosphäre absorbieren und so saubere Energie erzeugen kann. Das System funktioniert ähnlich wie eine große Flüssigbatterie: Gelangt das absorbierte CO2 in die wässrigen Elektrolyte, reagieren diese mit der Kathode zu einer sauren Lösung, aus der Strom und Wasserstoff erzeugt werden. Laut Angaben der Forscher kann das System mit einer Umwandlungseffizienz von 50 Prozent mehr als 1.000 Stunden laufen und damit jährlich 150 Tonnen Kohlendioxid aus der Umwelt entfernen.

 25. Februar 2019

Bakterium wandelt CO2 in Kraftstoff um

Der Wissenschaftler Daniel Nocera von der Harvard University hat das Bakterium „Ralstonia eutropha“ entwickelt, das durch gezielte Genveränderungen CO2 und Wasserstoff aufnimmt und daraus unterschiedliche Ethanolkraftstoffe produziert. Pro Kilowattstunde produzierter Energie werden dabei 237 Liter CO2 aus der Luft aufgenommen. Der von den Bakterien erzeugte Alkohol kann direkt für die Energieversorgung durch Verbrennung verwendet werden. Während des Verbrennungsprozesses wird das aus der Luft aufgenommene CO2 wieder freigesetzt, somit ist die auf Bakterien basierende Methode klimaneutraler Energieträger.

 15. Juni 2016

Aus CO2 wird Ethanol

Wissenschaftler des Oak Ridge National Laboratory im US-Bundesstaat Tennessee haben während eines Versuches zur Umwandlung von Kohlendioxid in Brennstoff eine effiziente Methode entdeckt, um aus dem Treibhausgas Ethanol herzustellen, das als Treibstoff eingesetzt werden kann. Hierbei wird eine Mischung aus Kohlenstoff- und Kupferpartikeln auf eine Siliziumplatte aufgebracht. Die dabei entstehenden Nanospitzen sind nur wenige Atome dick und bauen ein hochkonzentriertes Spannungsfeld auf. Dieses wirkt als Katalysator, der CO2 unmittelbar in Ethanol umwandelt.

 25. Oktober 2016